21 Tage Lockdown – Tag 7

Ich bin noch am Leben. Die Yogatherapeutenausbildung hat offiziell geendet. Ich hatte die Ehre und die Herausforderung alleine in der Ausbildungsklasse 2020 zu sein. Parallel zum Kurs wird noch gebaut im Ashram und es gibt immer was zu tun. Sushil, „meine Guru“ fordert zusätzlich und manchmal bleibt dann die Lehre etwas auf der Strecke. Dies war auch mit der Grund warum ich mich entschieden habe hier und da Vorschläge und Maßnahmen zu implementieren, damit Sushil als Yogi mehr Zeit für Yoga finden kann. Inoffiziell geht der Kurs noch weiter. Lernen endet bekanntlich nie soweit Interesse besteht. Neben des Selbststudiums von Yoga-Literatur, setzen wir uns auch intensiv mit der Gherandha Sahmita auseinander und ich lerne noch Sanskrit lesen und probiere mich im Schreiben. Hier und da erklingen auch neue Matras die ich gerne memoriere. Gesungen wird hier täglich und das sehr gerne. Generell eklingrt viel Musik. Ob von mir, beim gemeinsamen Singen oder das hochkarätig reich besetze Vogelorchester.
Auch hier im ruhigen Ashram hinterlässt das globale Phänomen Co.ona seine Spuren. Angemeldete Patienten sagten ab und die angedachte Struktur der Ausbildung konnte auch nur bedingt eingehalten werden. Wie immer im Leben ist es die Perspektive die unsere Realität bestimmt. Ändern wir den Blick auf die Dinge, ändern sich die Dinge mit. So ergeben sich auch Chancen wie der stundenplanlose Unterricht um den herum hier und da Aktionen wie Moskito-netz-Fenster-Bau oder Gartenarbeit ihren Platz finden. Die entstandene Zeit und die ortsbindung lädt zum Reflektieren ein. Fragen wie: Was war mir in meinem alten Leben wichtig? Was ist mir jetzt wichtig? Wo kann ich weiterwachsen? Was macht mich wirklich glücklich? Wie möchte ich mein restliches Leben verbringen? Wo geht die Reise hin? Welche Menschen werden weiterhin Teil meiner Lebensreise bleiben? Wann kann ich endlich wieder Klavierspielen?! Und wie wär es mal wieder mit echtem Sex?

Langweilig wird es mir niemals. Dafür gehen mir viel zu viele Dinge durch den Kopf und dafür bin ich viel zu gut technisch und kreativ ausgestattet. Zur Zeit helfe ich wöchentlich meiner Yogalehrerin Ruth beim produzieren von Yoga-online-Lektionen, bin dabei meine erste Videoreihe zu konzipieren, spiele fleißig Ukulele (die es unbeschadet in einer Stofftasche nach Inden geschafft hat – im Aufgabegepäck!). Ich komponiere wieder und schreibe Gedichte. Ach ja, Yoga mache ich natürlich auch und so nutze ich dieses Geschenk der Isolation um die yogischen Fähigkeiten und die eigene Kreativität weiterzuentwickeln. Und wenn es mir jemals langweilig werden sollte und mich die Sehnsucht packt, dann ruf ich einen lieben Menschen in Deutschland an, liege einfach nachts auf dem Dach, schaue die Sterne an oder überfleißig Pranayama und bin dankbar dass ich auf dieser schönen Erde sein darf. Ich bleibe zuversichtlich und verweile im Jetzt, immer wieder neu.

In Liebe und Dankbarkeit.

Namasté

First Orchestra draft

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